Mit einem oft zitierten Wort vom Alfons Rosenberg sehen wir in Emanuel Swedenborg »einen Fürsten unter den Jenseitskundigen«. Sein Werk »De Caelo et ejus Mirabilibus et de Inferno« (Vom Himmel und seinen Wundern und von die Hölle), ein Erfahrungsbericht aus der anderen Welt »ex auditis et visis« (nach Gehörtem und Gesehenem), wurde in alle wichtigen und viele weitere Weltsprachen übersetzt. In neuerer Zeit hat der Religionswissenschaftler Bernhard Lang eindrücklich die historische Bedeutung der empirisch begründeten Jenseitskonzeption Swedenborgs dargestellt. Mit ihm vollziehe sich der Übergang vom theozentrischen zum menschlichen Himmel. Diese Sicht »gewinnt im ausgehenden 18. und im 19. Jahrhundert – zumeist im Zeichen der Romantik – einen weltweiten Einfluß.«[1]
Neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Stellung Swedenborgs in der Geistesgeschichte schreitet aber auch seine Rezeption in spirituell interessierten oder esoterischen Kreisen voran. Vor einiger Zeit konnten wir bereits darauf hinweisen, dass sein Werk über den Himmel und die Hölle erstmals seit langer Zeit auch wieder außerhalb des Swedenborg Verlags erschienen ist. Der Marix Verlag in Wiesbaden bietet seit 2005 »Himmel und Hölle« mit einem Kommentar des Skandinavisten Hans-Jürgen Hube (geb. 1933) an.[2]
Seit kurzem ist der Altmeister der Jenseitskunde nun auch im Aquamarin Verlag angekommen, der seit 1981 Literatur aus den spirituellen Traditionen von Ost und West veröffentlicht. Die Ernährungsberaterin und Heilpraktikertin Gertraud Radke stieß nach dem Tod ihres Ehemannes Baron Eberhard von Gemmingen (gest. am 7. März 2006) auf Swedenborg. Sie schreibt: »Der Verlust meines Seelenfreundes durchschnitt mein Innerstes. Ich war gefangen in meiner Traurigkeit, die Außenwelt war allenfalls auf einsamen Spaziergängen erträglich. In dieser Verzweiflung erreichte mich der Rat einer spirituellen Freundin, Emanuel Swedenborgs Bücher zu lesen. Und ich las. Nacht für Nacht. War berührt, war begeistert. Vergaß für Stunden den Schmerz. Am Tag erwachte aus diesen inspirierten ›Nächten mit Swedenborg‹ mein Verantwortungsgefühl: Ich wollte, musste mein Erleben weitergeben.«[3] Aus dieser persönlichen Betroffenheit entstand ein Buch, das Swedenborgs Jenseitsschau in esoterischen Kreisen bekannter machen kann. Sein Titel lautet: »Das Leben nach dem Tod aus der Sicht Emanuel Swedenborgs«. Es bietet nach einer kurzen Lebensbeschreibung Swedenborgs eine auf das Wesentliche reduzierte Zusammenfassung seiner Jenseitslehre anhand von Auszügen aus »Himmel und Hölle«. Der Klappentext rühmt den einst als Geisterseher verschrieenen Schweden als einen »der größten Mystiker der abendländischen Geistesgeschichte« und sein Werk über das Jenseits als »ein Juwel der spirituellen Literatur«. Möge daher Gertraud Radkes Buch den Weg zu vielen suchenden und aufgeschlossenen Herzen finden.
[1] Bernhard Lang, Himmel und Hölle: Jenseitsglaube von der Antike bis heute, 2003, Seite 80. Ausführlicher dargestellt in: Bernhard Lang und Colleen McDannell, Der Himmel: Eine Kulturgeschichte des ewigen Lebens, 1990. Darin wird Swedenborgs Anteil an der »Geburt des modernen Himmels« eingehend beschrieben.
[2] Siehe OT 1 (2006) 42-44 und OT 1 (2007) 7-33.
[3] Gertraud Radke, Das Leben nach dem Tod aus der Sicht Emanuel Swedenborgs, 2007, Seite 11.