Archiv für die Kategorie „Literatur“

Der Dienst der Engel

Dienstag, 21. Oktober 2008
Der Dienst der EngelDie Literatur über die Engel ist in wenigen Jahren bis zur Unübersehbarkeit angewachsen. Dies aber ist ein Buch, das bereits 1960 zuerst in deutscher Überset-ung erschienen ist und seither immer neue Auflagen erleben durfte.

Die Verfasserin schreibt: »Dieses kleine Buch berichtet vom Dienst der Engel auf der Erde und vom Leben in den anderen Sphären jenseits dieser Welt, so wie es eine Frau erfuhr, die, begabt mit seltenen psychischen Kräften, unter dem Beistand von Engeln manches sehen durfte, was dem Großteil der Menschheit bis nach dem Tode verborgen bleibt. Und da Engel sie ermunterten, anderen hiervon Zeugnis und Mittlerin zu sein, so mögen diese Blätter hinausgehen in der bestimmten Hoffnung, manchen unter den Millionen Menschen, die ihre Toten beklagen, einen Trost zu bringen.«

Das Buch liest sich in weiten Teilen wie eine poetische Ausschmückung der sehr viel nüchterneren, freilich auch sehr viel aufschlußreicheren Schilderungen Swedenborgs. Eine Probe: »Überall waren Engelgestalten von verklärten Männern und Frauen, junge und alte, heiter und rüstig, in den Gesichtszügen verschieden wie die Erdbewohner, aber alle Gesichter strahlend vor Freude, wie man sie auf dieser Erde nicht kennt. Und von einem Charme, der jede Körperschönheit übertrifft. Welch ein Unterschied zwischen diesen fröhlichen Gesichtern und den vielen sorgenbe-schwerten und leidvollen Gesichtern … in London. Diese Engel, schien mir, verhielten sich so, wie es glückliche Menschen auf Erden tun.« (Seite 45).

Joy Snell, Der Dienst der Engel: Erlebnisse einer Krankenschwester an Kranken- und Sterbebetten

Rückkehr von Morgen

Dienstag, 21. Oktober 2008
George G. Ritchie, Elizabeth Sherrill, Rückkehr von Morgen
Eine Buchbesprechung von Hella Horn

»Einer … der großartigsten und bestdokumentierten Berichte über die Erfahrung mit dem Sterben«, nennt der bekannte Dr. R. A. Moody (Verfasser von »Leben nach dem Tode«) dieses Buch. Das Erlebnis Ritchies wurde für Moody einer der Anstöße zu seinen eigenen Forschungen auf diesem Gebiet. Was Ritchie als 20-jähriger amerikanischer Rekrut erlebte, während er etwa 10 Minuten lang für tot erklärt wurde, schildert der Arzt und Psychiater dreieinhalb Jahrzehnte später in diesem Bericht »genau so, wie es passierte« — zunächst einmal ohne jede Deutung: Seine wachsende Panik, sobald ihm bewußt wird, daß er von der Körperlichkeit dieser irdischen Welt abgeschnitten ist, tot daliegt und gleichzeitig hell wach ist. Dann die Erfahrung des unfaßbaren Lichtes und der bedingungslosen Liebe, die Nähe Jesu, die ihm sein ganzes bisheriges Leben vor Augen führt und in ihm die Frage wachruft: Was hast du aus deinem Leben gemacht? Es folgt dann die Beschreibung seiner »Reise zu Orten, wo die Lebenden und die Toten Seite an Seite existieren: wo in der Tat körperlose Gestalten, völlig unbeachtet von den Lebenden, direkt über den irdischen Menschen und Dingen schwebten, auf die ihr Verlangen gerichtet war.« Er sieht Kreaturen, an Haß, Lust und zerstörerische Vorstellungen gebunden, und gleichzeitig entdeckt er plötzlich über dieser höllischen, unglücklichen Ebene Gestalten, die anscheinend ganz aus Licht bestehen, wie die ihn begleitende: »Waren diese strahlenden Wesen Engel?« Sie achteten auf die zankenden, hassenden Wesen der anderen Ebene und dienten ihnen. »Und genau so sichtbar war die Tatsache, daß keiner es von ihnen wußte. Wenn Jesus oder seine Engel zu ihnen sprachen, konnten sie es … nicht hören.« Ihm werden noch andere Dimensionen, »höhere Ebenen«, gezeigt, bis er den Glanz nicht mehr ertragen kann.

In Einzelheiten bestätigt dieser Bericht aus unserer Zeit, was Swedenborg vor gut 200 Jahren schilderte. Ritchie führt dann aus, wie beschwerlich die Rückkehr in den schmerzenden Körper und wie schwer die folgende Zeit zu ertragen war, vor allem die Unmöglichkeit, sein Erleben mit anderen zu teilen und es richtig zu verarbeiten. Erst allmählich lernt er, sich vom Kreisen um sich selbst und das Erlebte zu lösen, dieses »Erlebnis in der Nähe des Todes … in das ganze restliche Leben zu integrieren« und aufzuhören, »jene außerweltliche Vision von Jesus wieder einfangen zu wollen und ihn stattdessen in den Gesichtern über dem Eßtisch zu suchen.«

Quelle: OT 1985 Seite 39f.

Der Seher und der Schreibknecht Gottes

Montag, 20. Oktober 2008

Der Seher und der Schreibknecht GottesDie Werke Swedenborgs und Lorbers gelten als die Klassiker der Neuoffenbarung Christi. Zwischen ihren Lehren gibt es erstaunliche Gemeinsamkeiten. Gleichwohl sind beide Offenbarungen vollkommen eigenständig und originell. Swedenborg ist nicht nur ein Vorläufer Lorbers und Lorber nicht nur eine Neuauflage Swedenborgs.

Das Buch dokumentiert anhand sorgfältig ausgewählter Zitate das außergewöhnlich hohe Maß an Übereinstimmungen. Zugleich wird aber auch auf das je eigene Profil der beiden Offenbarungen hingewiesen. So schließt das Buch eine Lücke. Denn derart ausführlich ist die Verwandtschaft noch nie dargestellt worden.

Im Zuge des Vergleichs kommen wichtige Themen zur Sprache, beispielsweise die Gotteslehre, die Erlösung und die Wiedergeburt, das Menschenbild, die Entsprechungskunde, das Jenseits und die Hoffnung auf die Geistkirche Christi.

Thomas Noack kennt die neuen Offenbarungen seit über 30 Jahren. Heute leitet er als Pfarrer der Neuen Kirche das Swedenborg Zentrum in Zürich. Das Buch ist aus der Überzeugung entstanden, dass Jesus Christus durch beide Gottesboten gesprochen hat. Die Posaunen der Neuoffenbarung wollen uns aus den Gräbern der Nacht befreien und zu Bürgern des neuen Jerusalems machen. Deswegen sollte zwischen den Lorberfreunden und den Swedenborgianern ein geschwisterliches Miteinander herrschen. Das Buch möchte dazu einen Beitrag leisten und weitere Forschungen zum Verhältnis der beiden Neuoffenbarungen anregen.

Thomas Noack, Der Seher und der Schreibknecht Gottes: Emanuel Swedenborg und Jakob Lorber in Vergleich, Zürich 2004. Das Buch ist beim Swedenborg Zentrum Zürich erhältlich.

Wir sterben nie

Montag, 20. Oktober 2008
Zum einem Buch des Sterbeforschers Bernard Jakoby

Es gibt ein Leben nach dem Tod. Und das Leben vor dem Tod ist eine Schule für das Leben nach dem Tod. Diese Grundaussage Swedenborgs wird längst nicht mehr nur von Swedenborgianern verbreitet. Seit mehreren Jahren hat sich der Sterbeforscher Bernard Jakoby dieser Botschaft angenommen. Jüngst ist sein neuestes Buch »Wir sterben nie: Was wir heute über das Jenseits wissen können« erschienen, das uns Anlass zu dem folgenden Bericht gibt.

Bernard Jakoby (geb. 1957) war bereits dreimal im Swedenborg Zentrum Zürich, wo er Vorträge und Seminare anbot. Außerdem wird er 2008 unser Gastredner auf der Swedenborgtagung sein und dort über das Thema seines neuen Buches sprechen.

Jakoby ist überzeugt, dass Bewusstsein unabhängig vom Gehirn existiert: »Als Sterbeforscher, der sich über 20 Jahre mit dem Phänomen der Nahtoderfahrungen und dem Sterbeprozess beschäftigt hat, weiß ich, dass das Bewusstsein des Menschen unabhängig vom Körper existiert und nach seinem Tod fortbesteht.« (Seite 162). Die Indizien, »welche die Sterbeforschung der vergangenen 40 Jahre für ein Leben nach dem Tod akribisch zusammengetragen hat,« sind »bei Weitem den Annahmen überlegen«, »dass mit dem Tod alles aus ist.« (Seite 9f.)

In dem Buch von Bernard Jakoby stoßen wir immer wieder auf Aussagen, die uns durch die Jenseitslehren Emanuel Swedenborgs und Jakob Lorbers bestens vertraut sind. Die bekannte Einsicht beispielsweise, dass das Jenseits keine objektive Welt, sondern die Schöpfung oder Innenwelt unseres eigenen Geistes ist, liest sich bei Jakoby so: »Das Jenseits ist eine Welt der Gedanken. Die Seele erkennt sofort, was ihr Denken bewirkt. Während des Erdenlebens muss der Mensch an das, was er tun will, denken und dann körperlich aktiv werden, um einen Gedanken umzusetzen. Wenn ich ein Konzert besuchen will, muss ich zunächst eine Karte kaufen und dann dorthin fahren. Im Jenseits reicht der Gedanke aus, und im gleichen Augenblick ist man dort. Geist und Denken sind eins und wirken zusammen. Das Leben dort besteht ausschließlich aus unseren Gedanken.« (Seite 175f.). »Die Welt des Jenseits besteht also aus Gedankenformen … Die Seele ist buchstäblich das, was sie denkt.« (Seite 176). Swedenborg formulierte diese Einsicht bereits im 18. Jahrhundert so: »In keiner Weise kann man sagen, der Himmel sei außerhalb von je­mandem; er ist viel­mehr innerhalb; denn jeder Engel nimmt den Himmel außerhalb seiner selbst gemäß dem Himmel in sich auf.« (HH 54). Und bei Jakob Lorber hieß es ein Jahrhundert später: »Denn niemand kommt weder in die Hölle noch in den Himmel, sondern ein jeder trägt beides in sich … Denn es gibt nirgends einen Ort, der Himmel oder Hölle heißt, sondern alles das ist ein jeder Mensch selbst; und niemand wird je in einen an­dern Himmel oder in eine andere Hölle gelangen, als die er in sich trägt.« (GS II,118,10 und 12). Es würde zu weit führen, die Ergebnisse der modernen Sterbeforschung Punkt für Punkt mit dem Jenseitswissen der neuen Offenbarungen zu vergleichen.

Stattdessen soll nicht unerwähnt bleiben, dass Bernard Jakoby auch auf Emanuel Swedenborg hinweist. Jakoby schreibt: Swedenborgs »Darstellungen über das Leben nach dem Tod stimmen in Vielem verblüffend mit dem überein, was wir aus den Nahtoderfahrungen wissen.« (Seite 136). Er meint aber auch: »Das Werk von Swedenborg enthält viele Informationen über geistige Zustände der Seele nach dem Tod. Es wäre aber dringend erforderlich, seine Erkenntnisse in eine heutige Sprache zu übersetzen und mit den vorliegenden Forschungsergebnissen abzugleichen. Dann erst wird sich der wahre geistige Wert seiner Visionen erschließen.« (Seite 138). Diese Außenperspektive auf Swedenborg ist interessant. Zum einen werden die Gemeinsamkeiten der Auditionen und Visionen Swedenborgs mit den Erkenntnissen der modernen Sterbeforschung anerkannt, zum anderen bekommen wir aber auch unsere Aufgabe in der Gegenwart genannt. Es reicht nicht mehr aus, Swedenborgs Einsichten aus dem 18. Jahrhundert einfach ins 21. Jahrhundert hineinzurufen. Der Swedenborgianismus muss sich offenbar vorher mit den seither gewonnenen Forschungsergebnissen auseinandersetzen, insoweit diese für ihn relevant sind.

Die einflussreichen Gegenpositionen zum Jenseitsglauben erwähnt Bernard Jakoby nur am Rande. Unter den Hirnforschern gibt es nicht nur den Nobelpreisträger John Eccles (1903 – 1997), der unserer Auffassung nahe steht, sondern auch den Nobelpreisträger Francis Crick (1916 – 2004), der in seinem Buch »Was die Seele wirklich ist« (1994) postulierte, dass es sich dabei »nur um das Verhalten einer riesigen Ansammlung von Nervenzellen und dazugehörigen Molekülen« handele. Und die Kirchen sind derzeit auch nicht gerade Befürworter der neuen Jenseitslehren. Wir werden also weiter beobachten müssen, wie der weltanschauliche Kampf zwischen dem Materialismus und seinem Diesseitsglauben und dem Spiritualismus und seinem Jenseitsglauben verlaufen wird.

Die Sterbeforschung jedenfalls ist ein wichtiger Verbündeter. Dabei ist zugleich hervorzuheben, dass das Jenseitswissen auch eine eminent praktische Bedeutung für das Leben vor dem Tod hat. Bernard Jakoby geht auch auf diesen Aspekt ein: »Dieses Wissen hat eine ungeheure praktische Relevanz für unser Leben. Wir erschaffen unser eigenes Schicksal durch unsere Gedanken. Wir wissen, dass wir mit den Auswirkungen unserer Taten konfrontiert werden. Was hindert uns eigentlich, die vielen verdrängten, unerledigten Dinge des Lebens im Hier und Jetzt in Angriff zu nehmen, um uns von ihrem erdrückenden Ballast zu befreien? Warum halten wir an alten Verletzungen oder Beziehungen fest, die der Vergangenheit angehören? Warum können wir Angst, Wut, Hass oder Schuldprojektionen, die ganze Bandbreite negativer Emotionen, nicht loslassen? Wenn dieses Wissen umgesetzt würde, könnten wir uns von viel Leid und Schmerz befreien.« (Seite 242). Das Jenseits beginnt im Hier und Jetzt. Räume auf, reinige das Land deiner Seele!

Swedenborg und die christliche Theosophie

Montag, 20. Oktober 2008

Zum Buch »Theo-Sophia« von Gerhard Wehr

Gerhard Wehr hat 2007 ein neues Buch herausgegeben: »Theo-Sophia. Christlich-abendländische Theosophie. Eine vergessene Unterströmung« (ISBN 978-3-906336-48-0).

Darin widmet er ein ganzes Kapitel Emanuel Swedenborg und erwähnt ihn auch sonst mehrfach. Swedenborg erscheint hier in einem theosophischen Kontext, womit jedoch nicht die Theosophie von H. P. Balavatsky (1831 – 1891) gemeint ist, sondern, wie es der Untertitel sagt, die »christlich-abendländische«.

Der Leser erfährt viel über »Jakob Böhme und seine Schule«, »die englischen Philadelphen«, »Theosophie im Zeichen des Rosenkreuzes« und »Christliche Kabbala«. Daran schließt sich das Kapitel über »Emanuel Swedenborg« an. Der Erforscher des geistigen Sinnes darf gewiss als ein Theosoph angesehen werden. Während der Theologe den natürlichen oder historischen Sinn erfassen will, taucht der Gottweise mittels Korrespondenzen in die Fülle des inneren Lebens der heiligen Schriften ein. Gerhard Wehr weist weist zu Recht darauf hin, dass die Entsprechungswissenschaft kein Novum ist, sondern schon in der »signatura rerum« im Sinne von Paracelsus oder Jakob Böhme gegeben war. Weitere Stationen des Überblicks, den uns der Autor aus seinem reichen Kenntnisschatz gibt, sind »Friedrich Christoph Oetinger«, »Romantik und religiöse Erweckung«, »Wladimir Solowjew«, »Anglo-indische und abendländische Theosophie« und »Leopold Zigeler«.

Gerhard Wehrs Buch ist ein kenntnisreicher und doch auch leicht verständlich geschriebener Reiseführer in das Land der Theosophie. Ein reichhaltiges Literaturverzeichnis lädt den Leser überall zu weitergehenden Erkundungen ein.

Swedenborg und die Kabbala

Montag, 20. Oktober 2008

Ein materialreicher Beitrag von Dr. Bernd Roling

Gegenwärtig werden Swedenborgs Verbindungen zur Kabbala erforscht. In diesem Kontext ist der folgende Beitrag von Dr. Bernd Roling (geb. 1972) sehr aufschlussreich:

Bernd Roling,
Erlösung im angelischen Makrokosmos: Emanuel Swedenborg, die Kabbala Denudata und die schwedische Orientalistik,
in: Morgen-Glantz 16, 2006, S. 385-457.

Daraus die folgenden Kernaussagen:

»In der Zeit Swedenborgs gelangt … das Studium der Kabbala an den Universitäten Schwedens zur vollen Blüte. Die Kabbala denudata wird zu einem der meistgelesenen Texte an den orientalistischen Fakultäten Skandinaviens … Swedenborgs erster Zugriff auf die Lehren der Kabbala sind daher … mit großer Wahrscheinlichkeit die Bände Knorr von Rosenroths.« (S. 391)

Gegen die »mitunter spekulativ[en]« (S. 387) Thesen von Marsha Keith Schuchard: »… so läßt sich ein erstes Ergebnis festhalten: Swedenborg bedurfte keines Aufenthalts in England, um mit kabbalistischen Ideen in Berührung zu kommen, im Gegenteil, schon während seiner Studienzeit in Uppsala und ebenso den Jahren, die er später dort verbrachte, gab es Möglichkeiten genug, sich die kabbalistische Literatur anzueignen.« (S. 420)

»Die Kabbala denudata wurde kommentiert und diskutiert. Es wäre fast paradox, wenn sich Swedenborg nicht an sie erinnert hätte, als er sich nach seiner Bekehrung daran machte, Schritt für Schritt sein theologisches System auszuarbeiten.« (S. 420)