Archiv für die Kategorie „Stimmen zu Swedenborg“

Walter Hasenclever

Samstag, 26. Juni 2010

»Das allgemeine Mißverständnis, dem die Lehre Swedenborgs bis auf den heutigen Tag verfallen mußte, ist ein typisches Beispiel für die Zerstörung jeder großen religiösen Vision, die dem Glauben oder Aberglauben der Menschen überantwortet wird.«
Aus dem Nachwort Walter Hasenclevers zu seiner Nachdichtung »Himmel, Hölle, Geisterwelt«, 1925, S. 287f.

Wie verrückt war Swedenborg?

Dienstag, 21. Oktober 2008
Die Pathologisierung eines Genies

Swedenborg hatte Visionen und Auditionen von der Welt jenseits des Todes. Er sprach mit den Engeln (so auch der Titel eines Buches des Swedenborg Verlags). Diese Mitteilungen und Eröffnungen über die höchst reale Welt des sogenannten Jenseits, in dem wir freilich in gewisser Hinsicht schon jetzt leben, stösst noch immer auf die weltanschaulichen Vorurteile des puren Diesseitsglaubens.

Daher ist es interessant zu beobachten, wie man mit dem Phänomen Swedenborg umgeht, sofern man überhaupt damit umgeht und es nicht einfach verschweigt. Olof Lagercrantz – in seinem jüngst im Suhrkamp Verlag erschienenen Buch »Vom Leben auf der anderen Seite« – mußte den Seher zum Dichter schrumpfen lassen, um Swedenborg verkraften zu können. Keine mit den eigenen Augen geschaute Wahrheit sei Swedenborgs Jenseitsbericht, sondern eine, freilich grossartige Dichtung, vergleichbar mit Gullivers Reisen.

Eine andere Methode, der weltanschaulichen Herausforderung des Visionärs Swedenborg auszuweichen, besteht darin, ihn für geisteskrank zu erklären. Daß dieser Weg keineswegs der Vergangenheit angehört, beweist das 1992 in 2. Auflage erschienene Buch von Prof. Dr. Karl Leonhard, »Bedeutende Persönlichkeiten in ihren psychischen Krankheiten«. Leonhard (1904 – 1988) war viele Jahre Direktor der Nervenklinik des Bereiches Medizin (Charité) der Humboldt-Universität zu Berlin, an der ich selber nach dem Mauerfall einige Semester studierte und in der Eingangshalle von Karl Marx begrüßt wurde.

Leonhard widmet Swedenborg ein ganzes Kapitel und diagnostiziert bei ihm eine »konfabulatorisch-phonemische Paraphrenie«. Leonhard schreibt: »Es gibt unter den Schizophrenen eine ›konfabulatorische Paraphrenie‹, die schon von Kraepelin beschrieben worden ist. Die Kranken bringen phantastische Erzaehlungen vor, sie sind auf anderen Erdteilen, auf der Sonne, auf den Sternen gewesen, fielen aus dem Flugzeug heraus, stießen mit einem Eisberg zusammen, führten Löwen spazieren u. a. m. Es gibt eine andere Schizophrenie, die ›phonemische Paraphrenie‹, bei der die Patienten ständig Stimmen hören, teils von Menschen, die aus der Ferne sprechen, teils von Geistern, die nicht sichtbar sind. Manchmal reden die Stimmen auch aus dem Hals oder aus dem Magen. Diese beiden Paraphrenien scheinen sich bei Swedenborg zu kombinieren. Man wird … darauf hingewiesen, da er von seinen Verbindungen mit Himmel, Hölle und Geisterwelt und von den Reden der Engel und Geister berichtet.« (248). Swedenborg litt also an einer kombinierten Paraphrenie, bei der »aus den Konfabulationen« dann »größtenteils Visionen« werden (258). Soweit die Konfabulationen von Prof. Dr. Karl Leonhard.

Wilson van Dusen, der sechzehn Jahre lang an einer der größten staatlichen Nervenheilanstalten Kaliforniens arbeitete, nahm Swedenborgs Visionen ernster und führte auf dieser Grundlage zahlreiche Gespräche mit seinen Patienten. Die erstaunlichen Entdeckungen, die er dabei machte, kann man in seinem Buch »The Presence of Other Worlds« (deutsch unter dem Titel »Der Mensch zwischen Engeln und Dämonen« erhältlich) nachlesen.

Carl Gustav Jung

Montag, 20. Oktober 2008

Begründer der Analytischen Psychologie

»Ich bewundere Swedenborg als einen grossen Wissenschafter und als grossen Mystiker zugleich. Sein Leben und sein Werk sind für mich immer von grossem Interesse gewesen, und ich habe etwa sieben dicke Bände seiner Schriften gelesen, als ich Medizinstudent war.«

Die Neue Kirche: Monatblätter für fortschrittliches religiöses Denken und Leben, September 1947, Seite 86

Anton von Webern

Montag, 20. Oktober 2008

Östereichischer Komponist, Schüler von Arnold Schönberg

»Ich lese jetzt Swedenborg. Mir vergeht der Atem dabei. Das ist unerhört. Ich habe Kolossales erwartet, aber es ist noch mehr.«

Brief von Anton von Webern an Arnold Schönberg vom 30. Oktober 1913